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APOLLO 14
Tondokument und transkribierter Text

Einführung

Am 16. Juli 1968 betrat der erste Mensch den Mond. Diese erste Mondlandung war viele Jahre lang vorbereitet worden – erst mit Apollo 11 wagte man es, mehr als nur um die Erde oder den Mond zu fliegen.

Die dritte Mondlandung fand dann am 5. Februar 1971 statt. Das war die Apollo 14 Mission. Sie führte ins Fra Mauro Hochland. Mit dabei waren drei Astronauten: Stuart A. Roosa – der blieb in der Apollo-Kapsel, also im Command Module (namens Kitty Hawk), das um den Mond kreiste, während Alan B. Shepard und Edgar D. Mitchell mit dem LM [lem], dem Lunar Module (es hieß Antares), auf die Mondoberfläche hinabjetteten und zwei Ausflüge, EVAs (Extravehicular Activities), machten und dabei Experimente durchführten und Steine und Sand einsammelten. Sie hatten ein Gefährt dabei, den MET, den Modularized Equipment Transporter. Die beiden EVAs dauerten zusammen über 9 Stunden, der Aufenthalt auf dem Mond 33 Stunden und 31 Minuten, die gesamte Mondreise nahm 9 Tage, 1 Minute und 58 Sekunden in Anspruch: Der Start geschah am 31. Januar 1971, die Landung auf der Mondoberfläche am 5. Februar, die Rückkehr zur Erde, der Splashdown im Pazifik, war am 9. Februar.

Die BBC richtete ein Studio ein (the Apollo Studio), mit Arthur Garrett und Colin R.['ri;&k], die das Ereignis beobachteten (Fernsehen; Funkverkehr zwischen den Astronauten und zwischen den Astronauten und der Kommandozentrale in Houston; Interviews) und es für die gewöhnliche Menschheit kommentierten. Einige der Sendungen aus dem Apollo-Studio nahm ich damals auf Compact-Kassette auf: im ganzen 2 ¼ Stunden.

Ich wohnte damals in der Nähe von Bochum, wo man den britischen Soldatensender BFBS über UKW empfangen konnte. Dieser übernahm viele Sendungen von der BBC. Aber nicht alle. So wurden z.B. nicht alle Sendungen aus dem Apollo-Studio übernommen.

Daraus erklärt sich, daß ich einige Sendungen direkt aus England hören mußte, und das ging nur über Langwelle, und dieses wiederum war nur möglich über ein Transistorradio. Da ich meinen Kassettenrecorder dort nicht direkt anschließen konnte, mußte die Aufnahme über Mikrophon erfolgen. Die Qualität der Aufnahme ist entsprechend mickrig, außerdem hört man immer wieder Nachbarsender und Außenweltgeräusche.

Die aufgenommenen Sendungen (Länge 2:13:29 Stunden) habe ich später transkribiert. Dabei habe ich den Funkverkehr zwischen den Astronauten und Houston sowie die Gespräche der Astronauten untereinander (mit wenigen Ausnahmen) ausgespart – aus ("un"-)verständlichen Gründen.

Die Transkription wurde immer wieder mit den Aufnahmen verglichen, nicht nur von mir selber – trotzdem ist sie nicht völlig fehlerfrei. Immer wieder geschieht es, daß ich eine Stelle entdecke, die ich zunächst falsch gehört hatte.

Um mich leichter im Text zurechtzufinden, habe ich die Sätze des Texts vom Computer durchnummerieren lassen. Unter 'Satz' versteht das Programm, das ich dafür programmiert habe, alles, was nach einem Punkt, einem Fragezeichen, einem Ausrufezeichen beginnt und mit einem Punkt oder einem Fragezeichen oder einem Ausrufezeichen endet. Das ist zwar unwissenschaftlich, aber für unseren Zweck völlig ausreichend.

Um mich leichter in der Audio-Aufnahme zurechtzufinden, habe ich eine Tabelle erstellt, in der eine Reihe von Aufnahmezeitpunkten 'ihren' Sätzen zugeordnet sind, z.B. wird der Satz 130 der Transkription ungefähr 27:49 Minuten nach Beginn der Aufnahme gesagt.

Das Ereignis der Apollo-14 Mission und die Aufnahmen sind Jahrzehnte her, Jüngere (die 1971 vielleicht noch nicht einmal auf dem Mutterplaneten Erde weilten) seien versichert, daß man auch damals schon modernes Englisch gesprochen hat und Erkenntnisse, die man aus der Untersuchung dieser Texte gewinnen kann, auch heute noch gültig sind. Übrigens haben die Mondlandungen damals durchaus stattgefunden (dies an die Adresse einiger Verschwörungstheoretiker, die ernsthaft meinen, die ganze Apollo-Geschichte sei getürkt ...).

Der Text ist vor allem interessant für Tempusuntersuchungen. Tempora verweisen, wie alle Sprachelemente, auf Weltstücke, z.B. Handlungen oder Zustände. Diese finden in der Zeit statt. Der Vorteil dieses Textes ist, daß man viele Eigenschaften der Welt kennt, auf die er verweist. Man weiß z.B. oft auf die Minute genau, wann eine Handlung stattfindet und kann so prüfen, ob eine Tempusform tatsächlich immer das meint, was die Grammatiker meinen. Man wird z.B. feststellen, daß die Past Form was found (in Satz 105) keineswegs auf eine vergangene Handlung verweist, sondern vielmehr auf eine zukünftige. Diese Handlung ist das Finden von Steinen auf dem Mondboden. Als was found vom BBC-Sprecher geäußert wird, ist aber noch gar kein Stein gefunden worden, denn die Astronauten sitzen zu diesem Zeitpunkt noch immer in ihrer Kapsel. Erst Stunden später werden sie aussteigen und die Gelegenheit haben, Mondsteine aufzulesen.

Heißt das nun, daß Past Formen sowohl Vergangenheit wie Zukunft ausdrücken? Wohl kaum! So unsinnig funktioniert Sprache nicht. Man muß aus diesem Befund vielmehr schließen, daß Past Formen weder Vergangenheit noch Zukunft ausdrücken. Genauer: Sie drücken überhaupt nichts Zeitliches aus. Tempus hat mit Zeit nichts am Hut. Past Formen haben nichts mit der Vergangenheit zu tun, Present Formen nichts mit der Gegenwart, will-Formen nichts mit der Zukunft. Nicht unbedingt eine brandneue Erkenntnis. Aber weil wir unbeirrt von Tempora sprechen und im Deutschen gar die 'Zeiten' im Englischunterricht lehren, ist diese Erkenntnis immer wieder versandet. Denn, wie wir spätestens seit Humboldt wissen, prägt die Sprache unser Weltbild, und so bleibt es für uns selbstverständlich, daß die 'Zeiten' Zeitliches bedeuten, Unsinn hin oder her.


Lehrer

Peterchen
Ich bade, du badest, er, sie, es badet.
Was ist das für eine Zeit?
Samstagabend, Herr Lehrer.

Tatsächlich haben 'die Zeiten' ganz andere Bedeutungen. Für das Past-Morphem ed habe ich das im Zusammenhang mit der indirekten Rede im Englischen ausführlich beschrieben.

Burkhard Leuschner
Last updated 29.8.2009