Reported Speech


Indirekte Rede

 

 

 

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Die üblichen Vorstellungen über die indirekte Rede gehen ziemlich an der Wirklichkeit der Sprache vorbei.

Schon die grundlegende Idee ist schief – daß es nämlich um die Rede ginge, um die ‚wörtliche‘ und um die ‚indirekte‘. Tatsächlich interessiert den Berichterstatter überhaupt nicht, wie die Äußerung des früheren Sprechers ausgesehen hat, welche Wörter, welche grammatischen Formen er benutzt hat. Was ihn interessiert, ist allein, worüber der andere gesprochen hat. Das zeigt deutlich ein kleines EXPERIMENT, das ich einmal mit Studierenden durchgeführt habe.

Damit ist der traditionellen Grundregel von der backshift von vornherein der Boden entzogen. Diese besagt ja, daß in der indirekten Rede das Tempus der wörtlichen Rede um eine Zeitstufe zurückgesetzt werden müsse (außerdem müßten noch Pronomina und Adverbien verändert werden). Manchmal allerdings (und nun kommen die in der Grammatik so beliebten Ausnahmen von der Regel ins Spiel), manchmal, unter bestimmten Umständen, könne man die backshift aber auch einfach sein lassen. Beides, das Müssen und das Können, interessiert den Berichterstatter überhaupt nicht. Er hat eine bestimmte kommunikative Absicht, und allein von dieser hängt es ab, was für Wörter, was für Tempora, was für Pronomina, was für Adverbien er benutzt. Einige BEISPIELE illustrieren, daß die Regeln, die in der Grammatik stehen, gar keine sind.

Wie der tatsächliche Sprachgebrauch zustande kommt, was für Regeln tatsächlich in indirekter Rede gelten, versucht der Aufsatz über die ZEITENFOLGE zu erklären. Es ist, so wird dort gezeigt, keineswegs so, wie mancher befürchtet, daß das Chaos ausbräche, wenn die Zeitenfolgeregel (und was mit ihr verbunden ist) ‚fällt‘. „Aber wir brauchen doch Regeln (in der Schule)“, wird oft panikartig eingewandt. Die Panik ist unbegründet, es gibt sie weiterhin, die Regeln. Aber es sind halt kommunikative Regeln und nicht solche über formale Automatismen. Die Sprache ist nun mal ein Kommunikationswerkzeug und nicht eine tote Maschine.

In Ergänzung zu diesem Aufsatz ist die Zusammenstellung der verschiedenen REDETYPEN zu sehen, aus der hervorgeht, daß es nicht nur direkte und indirekte Rede gibt.

Was für Katastrophen passieren können, wenn man die Sprache als Maschine ansieht, die mit toten Sätzen jongliert, das zeigen eine ÜBUNG und ein TEST, die beide gründlich in die Hose gegangen sind, wenn ich so sagen darf.

QUESTION AND ANSWER enthält Antworten zu einer Frage über past und past perfect, die in einem Diskussionsforum zu Grammatikproblemen gestellt wurde. Mein eigener Kommentar basiert auf den obigen Überlegungen.

[Die Links zu den genannten Texten finden Sie unten.]


German Leuschner, Burkhard (1977), Die Zeitenfolge im Rahmen einer kommunikativen Grammatik des Englischen Anmerkungen zu einem Phantom, Kongreßbericht der 7. Jahrestagung der Gesellschaft für Angewandte Linguistik GAL e.V., Band III, Stuttgart: HochschulVerlag, 1977, 93-107 [stark erweiterte Fassung]

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The following comment was written in about 1999 in some grammar discussion forum following a question on the use of past and present perfect in reported speech.

English

 1.  Question and answer

2.  Comment by Marilyn Martin

3. Comment by Burkhard Leuschner

Here is where you will find the above contributions on the Web

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Deutsch English

Beispiele,
die zeigen, daß die Regel von der automatischen Zeitenfolge Unsinn ist.

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Deutsch Redetypen, wie erzählte Rede, zitierte Rede, u.a.m, die es neben der direkten und der indirekten Rede gibt.

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Deutsch Ein Experiment, das zeigt, daß man bei indirekter Rede keineswegs auf die vorausgehende wörtliche Rede schielt..

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Deutsch Eine Übung und ein Test, oder wozu es im Englischunterricht führt, wenn man seinem Unterricht die unsinnige Zeitenfolgeregel zugrundelegt.

Last updated 22.5.2007