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          BENUTZUNG DES SPRACHZEICHENS



LANGUAGE FUN

    EINFÜHRUNG

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Zur Einstimmung

Heinz Ehrhardt  war ein großer Spachspieler. Er schreckte vor keinem Sprachspiel zurück, egal ob geistreich oder primitiv. Bei seinen Soloauftritten brannte er ein wahres Feuerwerk von Pointen und Gags und Kalauern ab, sein Publikum nahm ihm nichts übel und kam aus dem Lachen nicht heraus – bei ihm brauchte es noch keine Lachmaschine, die Leute lachten noch selber. Im folgenden ein kleiner Ausschnitt aus einer Conférence:

Wieso ich Dichter wurde.....

Als ich das Gaslicht der Welt erblickte, war ich noch verhältnismäßig jung. Meine Eltern waren zwei Stück, und mein Vater war sehr reich: Er hatte zwei Villen, einen guten und einen bösen. Und eines Tages - es war sehr kalt, und ich fror vor mich hin, denn nicht nur meine Mutter, sondern auch der Ofen war ausgegangen – teilte sich plötzlich die Wand, und eine wunderschöne Fee erschien! Sie hatte ein faltenreiches Gewand und ein ebensolches Gesicht. Sie schritt auf meine Lagerstatt zu und sprach also: "Na, mein Junge, was willst Du denn einmal werden?" Ich antwortete – im Hinblick auf meine ziemlich feuchten Windeln: "Ach, gute Tante, vor allem möchte ich gerne 'dichter' werden!" Das hat die Fee mißverstanden... (Vgl. auch die Webseite der Heinz Erhardt Erbengemeinschaft www.heinzerhardt.de)

Erhardt spielt hier mindestens mit folgenden Spracheigenschaften:
Kollokation, Kohäsion, 'politische' Korrektheit, Sprachebene, Homophon, Zeugma, Textsorte

Heinz Erhardt sollte man eher hören als lesen: Hier ist ein mp3-Ausschnitt aus einer anderen Conférence zum selben Thema: Wie ich zum Dichter wurde (aus der CD Da gibt's nichts zu lachen).




1. ZIELE DER WEBSEITE

2. ZUM SPIELEN MIT SPRACHE UND KOMMUNIKATIONSSITUATION
2.1 Man kann mit allem spielen, das existiert – egal, wo
2.2 Wie man sich einen Überblick über Sprache und Kommunikation verschafft
2.3 Nicht jeder Witz ist ein Sprachwitz
3. DIE STRUKUR DER WEBSEITE  ‚LANGUAGE FUN‘
4. DER BILDSCHIRM-AUFBAU



Die Webseite Language Fun  enthält Sprachspielereien – „Wort“spiele (language play), Sprachspiele (language games), Witze, Gedichte, Parodien, Versprecher, usw. Sie sind nach grammatischen und anderen sprachlichen Gesichtspunkten angeordnet.

Die Webseite soll drei Zielen dienen.

1. ZIELE DER WEBSEITE

(a) Sie soll zuallererst natürlich Spaß  machen.

(b) Sie soll es erlauben, gezielt fun material zu suchen für ein bestimmtes Element der Sprache oder der Kommunikationssituation, etwa einen Witz zu uncountable nouns oder einen Text, der die Textsorte ‚englischer Anfängertext‘ parodiert.

(c) Sie soll erfahrbar machen, daß Sprache mehr ist als die Laute, die wir hören, und die Buchstaben, die wir sehen.


2. ZUM SPIELEN MIT SPRACHE UND KOMMUNIKATIONSSITUATION

2.1 Man kann mit allem spielen, das existiert – egal, wo

Die Katze spielt mit einem Wollknäuel. Stupst es an, rennt ihm nach, krallt es.

Es ist klar, die Katze könnte nicht mit dem Wollknäuel spielen, wenn es nicht da wäre. Daraus läßt sich die tiefe spielphilosophische Wahrheit schließen:

 Wenn man damit spielen kann, existiert es.

Höhere Tiere spielen. Wir spielen auch (schließlich gehören wir zu den höheren Tieren). Und wir spielen mit allem und jedem. Nicht nur mit Gegenständen, die in der physischen Welt existieren, sondern sogar mit solchen, die es nur in unserem Gehirn gibt. Das letztere ist ganz entscheidend. Vor allem auch dann, wenn wir mit Sprache spielen, was wir Menschen gern und ausführlich tun.

Sprache (und ich will das gleich ausweiten auf die Kommunikation, in der die Sprache eine wesentliche Rolle spielt) –  Sprache also und die Kommunikation mit Hilfe der Sprache spielen sich zu einem großen Teil im Gehirn ab. Was aber im Gehirn angesiedelt ist, läßt sich mit den Sinnen nicht erfassen, ist in der Außenwelt nicht sichtbar, nicht hörbar, nicht riechbar, nicht fühlbar. Womit sich viele Fremdsprachenlehrer, ja sogar manche Linguisten schwer tun.

Nun ist es aber von entscheidender Bedeutung, daß Fremdsprachenlehrer das Wesen der Sprache und der Kommunikation durchschauen und ihre Eigenschaften kennen, denn nur dann können sie ihren Unterricht so planen, daß die Lernenden ihn als lebensnah empfinden und infolgedessen  bereit sind, die fremde Sprache als ein Kommunikationswerkzeug zu akzeptieren und sie sich zusätzlich zu ihrer Muttersprache anzueignen.

Wie aber den Sprachlehrer davon überzeugen, daß es mehr in der sprachlichen Kommunikation gibt, als unsere Sinne sich träumen lassen? Er braucht eigentlich  nur unsere Schlußfolgerung von oben zu akzeptieren, daß, wenn man mit einen Gegenstand spielen kann, dieser existieren muß.

Wenn wir also mit Wörtern spielen können, dann müssen Wörter existieren (und man muß sie lehren). Wenn man mit Bedeutungen (genauer: Sememen) spielen kann,  und das geschieht millionenfach, dann muß es Sememe geben, auch wenn man sie nicht anfassen kann. (Der Linguist Hjelmslev z.B. war der Meinung, es gäbe so etwas nicht, aber da irrte er – vielleicht war er ja kein Spieltyp  ?)

2.2 Wie man sich einen Überblick über Sprache und Kommunikation verschafft

Auf der folgenden Webseite will ich (systematisch) die Elemente zusammenstellen, aus denen  Sprache und  Kommunikationssituation  bestehen,. und illustrieren, wie mit den einzelnen Elementen gespielt wird – jedenfalls da, wo ich Spielbeispiele gefunden habe.

Ich werde zwar jeweils kurze Kommentare zu einzelnen Elementen der Kommunikationssituation und der Sprache vorausschicken, aber um den Überblick zu behalten, ist es sinnvoll (vielleicht sogar unabdingbar), die folgenden zusammenhängenden Darstellungen zur Sprache und zur Kommunikation zu kennen.

Die Sprache   
Zur Kommunikation

Zuerst noch ein paar grundsätzliche Überlegungen.

2.3 Nicht jeder Witz ist ein Sprachwitz

Unter dem Begriff ‚mit der Sprache spielen‘ verstehe ich hier vielerlei Handlungen, bei denen Eigenschaften der Sprache oder der Kommunikationssituation eine konstituierende Rolle spielen – besser als der Versuch einer allgemeinen Definition werden die konkreten Beispiele zeigen, was ich darunter fasse. Allen Beispielen (vom Schüttelreim bis zum Witz) ist gemeinsam, daß ihr  Daseinszweck (im wirklichen Leben)  der Spaß an der Freud ist. Auch wenn sie hier zweckentfremdet eingesetzt werden, um Linguistisches zu illustrieren, so hoffe ich doch, daß ihr ursprünglicher Zweck nicht ganz untergeht und die Überschrift Language Fun eine gewisse Berechtigung hat.

In den meisten Fällen sind die Sprachspielereien übrigens (im wirklichen Leben) beabsichtigt, um sich und andern eine Freude zu machen. Es gibt aber auch Fälle,  wo sprachliches Handeln schief geht und zu Ergebnissen führt, die (jedenfalls dem Zuhörer) oft diebische Freude bereiten. Das läuft dann unter dem Begriff ‚unfreiwilliger Humor‘ (vgl. etwa die spoonerisms).

Wichtig ist, sich darüber klar zu sein:  Nicht jeder Witz ist ein Sprachwitz, nicht jedes lustige Gedicht spielt mit einer Eigenschaft der Sprache.   Sprachwitze  sind nur solche, die ihre Pointe aus einer bestimmten Eigenschaft der Sprache oder der Kommunikationssituation beziehen, die überhaupt nicht existieren könnten ohne diese Eigenschaft (und das gilt für alle Sprachspielereien).
Damit fallen alle Witze (und andere Sprachspielerein) weg, die zwar mit Hilfe von Sprache übermittelt werden, aber mit einer Eigenschaft der Welt spielen.

Einige Beispiele sollen den Unterschied illustrieren.

Die Komik des folgendenden bekannten Nonsense-Gedichts beruht auf der Unvereinbarkeit der benannten Eigenschaften der Welt:

Dunkel war’s, der Mond schien helle,
Schneebedeckt die grüne Flur,
Als ein Wagen blitzesschnelle
Langsam um die Ecke fuhr.

Drinnen saßen stehend Leute
Schweigend ins Gespräch vertieft,
Als ein totgeschossner Hase
Auf ’ner Sandbank Schlittschuh lief.

Und auf einer roten Banke,
Die blau angestrichen war
Saß ein blondgelockter Knabe
Mit kohlrabenschwarzem Haar.

Hielt im Arm ’ne olle Schrulle,
– Zählte kaum erst 17 Jahr –,
In der Hand 'ne Butterstulle,
Die mit Schmalz bestrichen war.

Droben auf dem Apfelbaume,
Der sehr süße Birnen trug,
Hing des Frühlings letzte Pflaume
Und an Nüssen noch genug.

Von der regennassen Straße
Wirbelte der Staub empor.
Und ein Junge bei der Hitze
Mächtig an den Ohren fror.

Und zwei Fische liefen munter
Durch das blaue Kornfeld hin.
Endlich ging die Sonne unter
Und der graue Tag erschien.

Dies Gedicht schrieb Wolfgang Goethe
Abends in der Morgenröte,
Als er auf dem Nachttopf saß
Und die Morgenzeitung las.                   

(Weitere Fassungen finden Sie in der Wikepedia)


Auch dieses Cartoon spielt nicht mit der Sprache, sondern mit der Welt.
Cartoon

Auch die beiden folgenden Witze spielen mit Eigenschaften der  Welt . Der erste kann natürlich mit Gewinn dazu benutzt werden, die Numerals twice und half zu üben, der zweite, um  die Present Perfect Form have read  einzuschleifen‘, aber nur das darauf folgende Cartoon benutzt nicht nur (u.a.) Present Perfect, sondern es lebt vom Present Perfect.

Okay this is a 1950's funny boner about a college student who was
working one summer selling books so he could pay for his college
expenses.  He was trying to sell books on scientific agriculture
to farmers in West Texas.

This one old man thumbed through several of them. "No, I don't
reckon I'll buy them."

"You ought to buy them, sir. If you had these books, you could
farm twice as good as you do now."

"Heck, son, I don't farm half as good as I know how now."

(Aus dem Internet)

--------------

Robert: Have you read the new Brockhaus Encyclopedia?
René:    No, I'm waiting for the film.

(Bosewitz/Kleinschroth, Joke your way, 50)

Zum Schluß also ein Cartoon, dessen Pointe auf einer Spracheigenschaft beruht, nämlich einer der Verwendungsweisen des Perfect (die gegenwärtige Situation wird erklärt als Resultat einer vorangegangenen Handlung). Ohne diese Eigenschaft des Perfect wäre die Pointe des Cartoons sozusagen pointless.
It looks as if it' been working rather too much.

(Hill/Mallet, Cartoons 4,  7)

Wirkliche Sprachwitze (usw.) können zweierlei bewirken:

1. Man kann damit eine Spracheigenschaft üben, nicht anders als mit den ‚Welt‘witzen,
2. sie können aber darüber hinaus  die Spracheigenschaft, mit der sie spielen, erfahrbar, damit verstehbar machen.

Übrigens gibt es einen einfachen Test, um herauszufinden, ob es  sich um einen Welt- oder einen Sprachwitz handelt. Weltwitze kann man meist in eine andere Sprache übersetzen, ohne daß ihre Pointe verloren geht. Mit Sprachwitzen ist das selten möglich .

Es muß noch erwähnt werden: Wenn beim Spiel mit einem  Sprachzeichen sich ein Aspekt ändert, dann ist trotzdem das ganze Sprachzeichen betroffen. Wenn z.B. in einem Schreibspiel in dem Wort bet der Buchstabe e durch a ersetzt wird und so  bat entsteht, dann  ändert sich nicht nur die Schreibform, sondern z.B. auch die Lautform, das Lautsemem, die möglichen Referenda, kurz: es entsteht ein anderes Wort. Manchmal kann man sich dann darüber streiten, welcher Aspekt tatsächlich im Mittelpunkt des Spiels steht.

3. DIE STRUKUR DER WEBSEITEN  LANGUAGE FUN

Im folgenden die Grobgliederung der Webseite.
Diejenigen Elemente, die nur im Gehirn zu Hause sind, sind grün markiert.


DAS SPRACHZEICHEN

1. Das Lautzeichen    (Detaillierte Liste)
    1.1 Lautformen
    1.2 Lautstruktur
    1.3 Lautsemem
    1.4 Lautreferenda
2. Sprachbegleitende Zeichen
    2.1 Paralinguistische Zeichen
    2.2 Nicht-sprachliche Zeichen


3. Das Schreibzeichen    (Detaillierte Liste)
    3.1 Schreibformen
    3.2 Schreibstruktur
    3.3 Schreibsemem (identisch mit der Lautstruktur)
    3.4 Schreibreferenda (identisch mit Lautformen)
4. Sprachbegleitende Schreibzeichen
    4.1 Satzzeichen
    4.2 Smilies
    4.3 Wortlücken


DIE BENUTZUNG DES SPRACHZEICHENS

1. Die Kommunikationssituation
    1.1. Elemente   
        1.1.1 Benennungssituation 
                                                                         Textsorten 
        1.1.2 Benannte Situation
    1.2  Grundtypen
    1.3  Herstellung einer Kommunikationssituation
2. Die Kommunikative Verbindung
3. Die Kommunikationshandlungen
    3.1  Hören
    3.2  Sprechen
    3.3  Interaktion mündlich
    3.4  Lesen
    3.5  Schreiben
    3.6  Interaktion schriftlich
4. Metakommunikation
5. Übersetzungshandlungen


BEZIEHUNGEN ZWISCHEN ZEICHEN (CLUSTER IM GEHIRN)

1. Zeichen
    1.1  Kollokationen
2. Zeichenaspekte
    2.1  Zeichenformen
           2.1.1 Homonyme
           2.1.2 Phonetische Felder  
           2.1.3 Graphetische Felder
    2.2  Zeichenstruktur
            2.2.1 Flexionsformen
            2.2.2 Wortfamilien
    2.3  Zeichensemem
            2.3.1  Antonyme (opposites)
            2.3.2  Semantische Felder
            2.3.3  Hyponomie
    2.4  Zeichenreferenda
            2.4.1  Synonyme
            2.4.2  Paraphrasen
3. Welt
     3.1  Sachfelder
            3.1.1  Situationsfelder
            3.1.2  Gegenstandsfelder
     3.2  Wissensfelder
4.  Linguistische Felder
5.  Zeichentypen
     5.1 Symbole
     5.2 Ikone
     5.3 Realindizien
     


4. DER BILDSCHIRM-AUFBAU

Bildschirmaufbau


Die Webseite wurde hergestellt mit Hilfe der Software Personal Brain  (die Information erscheint auf jeder Seite; wenn Sie darauf klicken, kommen Sie auf die Webseite von 'TheBrain' und können eine kostenlose Version herunterladen – empfehlenswert).

Der Bildschirm besteht aus zwei Teilen.

Der obere Teil enthält die Zugänge zu den Informationen und Beispielen.
 In der obersten Zeile sind die Hauptelemente aufgeführt (z.B. Lautformen, Lautsemem),
in der Mitte sehen Sie ein Baumdiagramm, das die hierarchischen Beziehungen der Elemente zeigt.
Die unterste Zeile enthält die Elemente, die Sie bereits angeklickt haben.
Wenn Sie die Information lesen wollen, die zu einem Element gehört, klicken Sie es an. Wenn das angeklickte Element weitere, untergeordnete Elemente enthält, werden auch diese angezeigt.

In der untersten Zeile finden Sie links auch ein weißes Feld. Dort können Sie Suchwörter eingeben und so direkt auf Elemente zugreifen (ohne sich durch die ganze Hierarchie zu klicken). Beim Eintippen erscheinen alle Elemente, deren Anfang mit den zu diesem Zeitpunkt eingetippten Zeichen übereinstimmen. Klicken Sie auf den gewünschten Namen. (Da ich die meisten Elemente  durchnummeriert habe, damit die hierarchischen Beziehungen deutlicher werden, können Sie leider nicht direkt die Elementnamen eingeben (etwa Strata), sondern nur Zahlen, z.B. 1.2  – es werden dann der Eintrag 1.2 Lautstruktur und alle untergeordneten Einträge aufgelistet.)

Der untere Teil zeigt die Information und Beispiele an, die zu dem angeklickten Element gehören. Wenn er längere Einträge enthält, müssen Sie nach unten scrollen.

Mehr dazu hier: Hilfe für Brains

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Last updated 2.6.2014
Burkhard Leuschner